Kein Durchblick für die Radler

Viele Problemstellungen bei neuem Fahrradkonzept

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Auf der Lorens-de-Hahn-Straße gibt es nach der Verkehrsschau Anfang Juli einen gemeinsamen Fahrrad- und Gehweg.

Do, 03. Aug 2017
Sylt

Fahrradfahren ist gesund und schont die Umwelt. Vor allem auf der Insel Sylt wird das Rad gerne und häufig genutzt. Rund 20 Prozent aller täglichen Wege werden dort mit dem Rad zurückgelegt. Bundesweit sind es nur 2,9 Prozent. Die Inselgäste nutzen gar zu 60 Prozent für alle täglichen Wege das Rad. Doch wo sollen die Radfahrer genau fahren?

Am besten so, wie es ausgeschildert ist. Genau das aber ist auf Sylt ein echtes Problem, erklärte Bürgermeister Nikolas Häckel in der vergangenen Sitzung des Umweltausschusses. Bei der Ideenfindung für ein Radwegekonzept sei man auf unterschiedliche Problemlagen gestoßen. Unterschreitet nämlich der Ausbaustandard die vorgeschriebene Mindestbreite der ERA (Empfehlung für Radverkehrsanlagen), so erlischt die durch die Beschilderung angeordnete Radwegsbenutzungspflicht. „Das müsste konsequenter Weise zur Entschilderung der nicht ausreichend breiten Radwege führen“, so der Verwaltungschef. Ziel sei ein klares Konzept, das festlege, was erlaubt sei und was nicht, so Häckel weiter. In seinen Ausführungen machte er vor allem drei Problemfelder aus. Zum einen sei die Breite der Radwege zu gering, es gebe kein erkennbares Konzept und zudem gebe es eine fehlerhafte Beschilderung. „Wir haben Gehwege, auf denen Rad gefahren wird, radfahrerfreie Gehwege, Einrichtungsradwege, Zweirichtungsradwege, Fahrradstreifen – also eigentlich alle möglichen Varianten und keiner blickt mehr durch“, so Häckel weiter. Aber Baumaßnahmen zur Verbreiterung der Radwege kosten Geld. Häckel nannte die Summe von sechs Millionen Euro. Billiger sei es, Radfahrer künftig auch auf der Straße fahren zu lassen.

Dies wäre aber nicht überall möglich. Bei einer Verkehrsschau Anfang Juli mit Vertretern der Gemeinde, der Polizei, des Landesbetriebes für Straßenbau und Verkehr und des Landkreises Nordfriesland wurde beispielsweise für die Lorens-de-Hahn-Straße eine neue Regelung vereinbart, erklärte Georg Gemkow vom Amt für Recht, Sicherheit und Verkehrsabteilung des Landkreises Nordfriesland auf Nachfrage des Sylter Spiegels. „Dort werden jeweils in Fahrtrichtung rechts die Verkehrsschilder ‚getrennter Rad- und Gehweg‘ entfernt und durch das Verkehrszeichen ‚gemeinsamer Rad- und Gehweg‘ ersetzt.“

Das Verkehrsaufkommen sei dort einfach zu hoch und damit zu gefährlich, um Fahrradfahrer auf der Straße fahren zu lassen. Die Gemeinde wird die Furten an den einmündenden Straßen, die nicht über einen abgesenkten Hochbord geführt werden, rot einfärben und markieren, um eine zusätzliche Aufmerksamkeit für Autofahrer zu erzeugen. Gemko betonte aber, dass die Verkehrslage auf Sylt insgesamt sicher sei. Dies hätten Unfallauswertungen seitens der Verkehrsbehörden und der Polizei ergeben. „Auf Sylt hat es im vergangenen Jahr keine auffälligen Unfallstellen gegeben, die durch Verkehrsregelungen ausgeräumt werden könnten. Es handelt sich fast ausschließlich um Unfälle, die durch die Radfahrer selbst verursacht worden sind, weil sie unaufmerksam oder ungeübt als Radfahrer waren“, erklärte Gemko. Bei der Verkehrsschau wurde auch beschlossen, die Fußgängerzonen in der Friedrichstraße und der Strandstraße versuchsweise für den Fahrradverkehr zwischen 21 und 11 Uhr freizugeben. Auch die Zeiten des Lieferverkehrs werden morgens von 7 bis 11 Uhr ausgedehnt. Die Zeiten der Nachmittagsstunden entfallen.

Im Umweltausschuss stieß das Vorhaben des Bürgermeisters, ein einheitliches Konzept zu entwickeln, auf breite Zustimmung. „Die Insel möchte Vorrang für Radfahrer und nicht Vorrang für Autofahrer“, sagte Lothar Koch (Grüne). Und weiter: „Wir sollten als Insel positiv nach vorne gehen.“ Die neue Landesregierung wolle zehn Millionen Euro aus Landesmitteln für ein fahrradfreundliches Schleswig-Holstein bereitstellen und mit einem tollen Konzept könne die Insel vielleicht etwas von dem Geld bekommen, so Koch weiter.

Manfred Uekermann (CDU) plädierte ebenfalls für ein kompaktes Konzept, mahnte aber an, dass Baumaßnahmen vorausschauender geplant werden sollten. „Wir arbeiten zu viel nach, anstatt im Voraus zu planen.“ Er sprach sich auch dafür aus, das Schwerpunkte gesetzt werden. Auch warnte er davor, Radfahrer gegen Autofahrer auszuspielen. Uekermann war es auch, der am Ende einen Beschlussvorschlag formulierte, dem alle Ausschussmitglieder folgten. Darin wird die Verwaltung damit beauftragt, ein Fahrradkonzept zu erstellen, indem bereits vermerkt ist, mit Ministerium und Kreis in Kontakt zu treten und die Möglichkeiten einer finanziellen Förderung auszuloten.