Leserbrief

Zum Thema Syltverkehr äußerte sich dieser Leser:

Fr, 16. Nov 2018
Sylt

„Früher war alles besser?“ Laut einer kürzlich veröffentlichen Umfrage sieht eine Mehrheit der Europäer das wohl so. Dabei sind es mehr Männer als Frauen, die zu dieser Nostalgie neigen. Zwei Drittel der Europäer sehen die Vergangenheit nach einer Umfrage positiver als die Gegenwart. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 10.885 EU-Bürgern u.a. in Deutschland und Frankreich, die die Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte. Die Umfrage stuft 67 Prozent der Europäer als Nostalgiker ein, in Deutschland seien es 61 Prozent. Wenn man dies aber auf die Reisemöglichkeit nach und von Sylt bezieht, würde die Umfrage mit Sicherheit ein anderes Ergebnis erzielen.

Die kürzlich erreichte Wartezeit bis zu 5 Stunden am Autozug ist beispielsweise exakt die Zeit, die früher ein Reisender mit dem Schiff von Hoyer zum Munkmarscher Hafen ertragen musste. Allerdings war zumindest ein Plumpsklo auf dem Dampfer, was einige in der aktuellen Auto-Warteschlange sicher schmerzlich vermisst haben.

Und die Reisestrapazen beispielsweise von Hamburg nach Sylt wären nach heutigen Reiseansprüchen sicher nur etwas für ausgebuffte Survivals-Experten. Der Reiseverlauf würde sich wohl so darstellen, wie 1998 in der Diplomarbeit von Jan Kirschner zu lesen ist: „Im Juni 1854 wurde vom Staat das Postund Fährwesen übernommen. Nun erst existierte eine regelmäßige Verbindung zum Festland für Post, Personen und Waren. Die Segelschiffe verkehrten dreimal in der Woche, und zwar montags, mittwochs und sonnabends, von Hoyer nach Sylt. In Folge der verbesserten Verkehrsanbindung teilten sich, so die Aufzeichnung, ein paar Dutzend Badegäste den Sylter Strand.“ Wie den Aufzeichnungen weiter zu entnehmen ist, gestaltete sich die Dauer der Reise folgendermaßen: Im September 1844, mit Fertigstellung der „KönigChristian-VIII.-Ostseebahn“, erreichte man, von Altona kommend, Kiel über Elmshorn und Neumünster. Weiter ging‘s mit der Kutsche über 154 Kilometer Kunststraße, 67 Kilometer unbefestigte Landstraße mit acht Haltepunkten in 35,5 Stunden. Hinzu kommen zwölfeinhalb Stunden Schlafpause, fünf Stunden Schifffahrt von Hoyer nach Munkmarsch und zwei weitere Stunden nach Westerland. Einschließlich der zweistündigen Kutschfahrt von Hamburg nach Altona war nach 57 Stunden das Ziel Westerland erreicht. Natürlich nur, wenn nichts dazwischen kam. Es stellt sich die Frage, ob man den Fährbetrieb zwischen Munkmarsch und Hoyer wieder aufleben lassen sollte? Die Wartezeit in Munkmarsch verkürzt das Fährhaus-Team oder die Crew von der „Hafenkneipe“ im Sylter Segler-Club. Den Transport nach Munkmarsch würden die Sylter Fuhrbetriebe mit Pferd und Wagen gerne übernehmen. Die Reise wird sicher ganz entspannt werden. Und ein „Netz“ gibt es auf See da draußen sowieso nicht. Quelle: Der Personenverkehr über den Hindenburgdamm und die Sylter Inselbahn von Jan Kirschner“

Klaus Flug
Brunnenweg 5D
25980 Sylt