„Frust ist ganz gewaltig“

Wirtschaftsminister auf Sylt – Gespräche mit Unternehmern, Pendlern und Politikern

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (3.v.r.) hatte bei seinem ersten Besuch auf Sylt mit der Situation auf der Marschbahn gleich ein brisantes Thema zu bearbeiten.

Mi, 02. Aug 2017
Westerland
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Sylt

Gleich der erste Besuch auf Sylt hatte für den neuen schleswig-holsteinischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) einen brisanten Anlass: die Situation auf der Marschbahn. Mit Vertretern der Sylter Unternehmer und der Pendlerinitiative sowie mit Lokalpolitikern, Landrat Dieter Harrsen und Torsten Reh von der DB Regio tauschte der Minister sich am vergangenen Mittwoch aus. „Das Gespräch war von Interesse und Verständnis geprägt, aber auch von Forderungen an den Minister“, sagte Karl Max Hellner, Vorsitzender des Vereins der Sylter Unternehmer, beim anschließenden Pressegespräch. Er hoffe, dass sich das „leidige Thema, das uns seit 258 Tagen betrifft, nun sukzessive verbessert“, so Hellner weiter.

Der Minister, der von allen Beteiligten für seine gute Vorbereitung auf das Thema Syltverkehr gelobt wurde und erst seit rund vier Wochen im Amt ist, betonte, dass es von besonderer Wichtigkeit sei, „die Belastungen, soweit es geht, zu reduzieren und schnellstmöglich so viele Waggons auf die Strecke zu bringen wie möglich.“ Die Situation sei nicht schön und währe schon viel zu lange. Er habe bei dem Gespräch viel gelernt, auch dass der Frust ganz gewaltig sei. Der Tourismus habe einen besonderen Stellenwert. Aber der Minister hatte auch Konkretes im Gepäck. So werde geprüft, ob neben dem IC um 15.26 Uhr noch weitere Fernzüge für die Pendler freigegeben werden können. Auch werde über Optionen beraten, ob mit dem Sylt-Shuttle Plus eine Verbesserung der Situation erreicht werden könne. Fix hingegen ist die Schließung einer Taktlücke ab dem 4. September. In der Zeit zwischen 14.22 und 16.22 Uhr soll der Zug ab Westerland nicht nur wie bisher nach Niebüll, sondern bis Bredstedt fahren. „Wir versuchen alles, um eine normale Situation auf der Marschbahn wieder herzustellen. Unternehmen und Pendler haben einen Anspruch darauf“, führte Buchholz aus. Er wolle aber auch die langfristigen Herausforderungen in den Blick nehmen und in Berlin zu Gehör bringen. „Dort gilt es klarzumachen, dass diese Strecke einzigartig ist.“ Die Zweigleisigkeit der Strecke sei ein Thema, damit nicht jeder Verspätungsfall zum Chaos führe. „Aber mit mir haben die Sylter einen Mitkämpfer zur Entlastung“, so Buchholz.

Auch der Sprecher der Pendler-Initiative, Achim Bonnichsen, lobte das „konstruktive Gespräch.“

Wann genau aber alle Marschbahnwagen wieder auf der Strecke sein werden, ist noch nicht genau zu benennen. Torsten Reh, Regionalleiter Nord der DB Regio geht davon aus, das bis voraussichtlich Ende Oktober bis Mitte November der Betrieb wieder läuft. „Der Weg ist aber noch nicht zu Ende. Erst in operativ ruhigeren Zeiten kann genau geprüft werden, was in den nächsten Jahren gemacht werden muss, um den Verkehr zu verbessern. Es gilt, sich für die Zukunft gut aufzustellen“, so Reh weiter.
Dass die Zukunft auch den zweigleisigen Ausbau mit einschließt, betonte der Bürgervorsteher Peter Schnittgard unmissverständlich deutlich. „Unsere touristische Erstklassigkeit darf von der fehlenden Zweigleisigkeit nicht beeinträchtigt werden.“