Deutschland wird alt, Sylt wird älter

Generation 60 plus auf der Insel stark vertreten

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Im Seniorenzentrum an der Steinmannstraße (Foto) sind noch Plätze in zwei Wohngruppen für Senioren frei. Die Johanniter informieren gerne über das Angebot.

Mi, 16. Aug 2017
Sylt

Deutschland wird alt – und Sylt wird älter? Auf diesen Nenner könnte man das Phänomen der alternden Insel bringen, wenn man die Zahlen für Deutschland mit denen für Sylt vergleicht. Der Sylter Spiegel hat anlässlich des Tages der Senioren am Montag, 21. August, im Rathaus nachgefragt und um die neuesten Daten für die Generation 60 plus gebeten. Die Ergebnisse sind deutlich: Während Ende 2016 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt etwa 25 Prozent der Bundesbürger älter als 60 Jahre waren, sind es auf Sylt 39,3 Prozent. Die Generation der Senioren auf der Insel ist also um mehr als 14 Prozent stärker vertreten als im Bund. Betrachtet man sich ausschließlich die mit Hauptwohnsitz auf der Insel gemeldeten Senioren, liegt dieser Anteil mit knapp 31 Prozent immer noch bei sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Signifikant wird das Zahlenspiel bei Menschen, die auf Sylt lediglich mit einem Nebenwohnsitz gemeldet sind: Fast 62 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe ist 60 Jahre alt oder älter.

„Ganz so stark, wie die Zahlen es ausdrücken, ist der Unterschied im Vergleich zur Bundesebene nicht“, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel auf Anfrage unserer Zeitung. Denn in der Verwaltung sei das Problem bekannt, dass Senioren für das Sylter Feriendomizil mit Hauptwohnsitz angemeldet würden, obwohl sie gar nicht hier lebten. „Aber die klare Tendenz, dass auf Sylt mehr Senioren leben als im Bundesdurchschnitt, ist ebenso deutlich erkennbar“, ergänzte Häckel.

Das liege an den zahlreichen Vorteilen, die die Insel vor allem für Ältere biete: „Wir haben hier eine sehr gute hausärztliche Versorgung, verbunden mit einem gesunden Klima. Außerdem ist die Infrastruktur sehr gut, vieles ist auf kurzen Wegen oder auch mit dem Bus erreichbar – und die Kriminalität ist dank der Insellage im Vergleich zum Festland doch gering.“ Das alles, so der Verwaltungschef, komme gerade den Bedürfnissen älterer Menschen sehr entgegen.

Die demografische Entwicklung im Blick, denkt Häckel über eine Verbesserung der Angebote für diese Bevölkerungsgruppe nach. Gleichwohl: „Das Wohngruppen-Angebot der Johanniter im Seniorenzentrum an der Steinmannstraße wird noch nicht so angenommen wie erhofft; viele ältere Sylter wandern hingegen auf das Festland ab, wenn das Bedürfnis nach Pflege steigt.“ Genau diese Entwicklung will der Rathauschef verhindern, denn vor allem den Syltern soll es möglich sein, „in ihrer Heimat in Würde älter zu werden“. Warum das Johanniter-Angebot seit Wochen nur schleppend angenommen wird, muss nach Häckels Auffassung in nächster Zukunft geklärt werden: „Geht das Angebot am Markt vorbei? Sind die Preise im Vergleich zu dem, was auf dem Festland angeboten wird, zu hoch? Und welche Angebote müssen wir schaffen, damit sie Erfolg haben? Diesen Fragen sollten wir uns kurzfristig stellen.“

Die konkreten Zahlen für Sylt: Auf der Insel sind aktuell 27.130 Menschen mit Haupt- und Nebenwohnsitz gemeldet. Davon sind 10.666 oder 39,3 Prozent über 60 Jahre alt. Hauptwohnsitze: Von 19.764 Syltern mit erstem Wohnsitz sind 6.119 oder 30,9 Prozent älter als 60 Jahre. Bei den Besitzern von Zweitwohnungen ist das Phänomen am deutlichsten erkennbar: Von 7.438 gemeldeten Zweitwohnsitzen befinden sich 4.583 oder 61,6 Prozent im Eigentum von Angehörigen der Generation 60 plus.