Leserbrief

Am Limit der Verkehrsdichte?

Mi, 19. Dez 2018
Sylt

Zu unserer Berichterstattung über eine mögliche Verlegung der Autoverladung und den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn erreichte uns dieser Leserbrief: 

„Bereits kurz nach der Bekanntmachung des geplanten zweigleisigen Ausbaus der Bahnstrecke nach Sylt (...) steht plötzlich ein neues Großprojekt im Raum, die Verlegung der Autoverladung. Es stellt sich die Frage, was mit dieser Verlegung erreicht werden soll. 

Wenn es um die Verbesserung der Verkehrssituation und die Vermeidung von Abreise-Staus in der Innenstadt geht, muss gesagt werden, dass die Bahn bisher keinen ernsthaften Versuch unternommen hat, dies zu lösen. Ein möglicher Ansatz wäre die Einführung eines Reservierungs- und Buchungssystems. Eine bloße Verlegung der Autoverladung würde die bestehenden Probleme nur an einen anderen Ort verlagern.

Der Bahn würde die Verlegung der Autoverladung allerdings ein ausgesprochen lukratives Immobiliengeschäft bescheren, wenn auf einer Wiese im Außenbereich neu gebaut und frei werdende innerstädtische Flächen veräußert werden könnten. Es scheint, dass es beim zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke weniger um das Recht der Reisenden und Pendler auf eine zuverlässige und pünktliche Verbindung nach Sylt geht, als vielmehr um eine Erhöhung der Kapazitäten der Autozüge. Bisher kam es aus verschiedensten Gründen zu Zugausfällen und Verspätungen, beispielsweise aufgrund von Personalmangel bei der Bahn, durch Mängel an den Zügen und Gleisen. In diesen Fällen wäre den Pendlern und Reisenden weder mit einer Verlegung der Autoverladung noch mit einem dritten Gleis geholfen. Hier hat also die Bahn weiterhin ihre Hausaufgaben zu machen.

Anstatt über die Verlegung der Autoverladung zu diskutieren, ist es an der Zeit, eine ernsthafte Debatte über mögliche Wege zur Begrenzung des Autoverkehrs auf der Insel zu führen. Denn wer in der Hauptsaison im Stau von Kampen nach Westerland steht, fragt sich doch, ob die Insel nicht bereits am Limit der verkraftbaren Verkehrsdichte angelangt ist – und nicht, wie noch mehr Fahrzeuge auf die Insel befördert werden können. Im Übrigen sind die von der neg Niebüll GmbH vorgestellten Varianten für eine Verlegung der Autoverladung mitunter mehr als absurd und scheinbar ohne Ortskenntnis kreativ auf die Inselkarte gezeichnet.“

 

Jonas Raspé 

Morsum