Früherer Kasernenblock in Rantum: Gemeindevertretung gegen Verkaufspläne

Satzung ein Schuss ins Leere?

Foto: © Heiko Wiegand / Sylter Spiegel GmbH

Im „Steger-Hüs“ auf dem früheren Rantumer Kasernengelände sollen insgesamt 44 Ferienwohnungen in einer Größe zwischen 31 und 83 Quadratmetern entstehen – und zwei Dauerwohnungen.

Mi, 19. Dez 2018
Rantum
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Sylt

Gemeinde Sylt/Rantum.(hwi) Diese doppelseitige Anzeige in der jüngsten Ausgabe des Sylter Spiegels sorgte in der örtlichen Politik für gehörigen Wirbel und führte am Ende zu einem einstimmig verabschiedeten Dringlichkeitsantrag in der Sitzung der Gemeindevertretung am vergangenen Donnerstag. Aber der Reihe nach: In unserer Ausgabe vom 12. Dezember bewarb die RT Immobilien GmbH den Verkauf von Ferienwohnungen in einer Größe zwischen 31 und 83 Quadratmetern – im sogenannten Steger-Hüs, einem vormals für das Militär gebauten Kasernenblock, der später als Einrichtung zur Jugenderholung genutzt wurde. In der Anzeige sind unter anderem Wohnungsgrundrisse in vier Geschossen zu sehen, darüber hinaus ein Luftbild der gesamten früheren Kasernenanlage unweit der Rantumer Wattseite.

Diese Anzeige rief nun die Politik auf den Plan. Man will mit einem fraktionsübergreifend verabschiedeten Dringlichkeitsantrag die „Zerschlagung des Objektes in viele kleine, rechtlich selbständige Zweitwohnungen vermeiden“, wie es Bürgermeister Nikolas Häckel gegenüber unserer Zeitung formulierte.

Der Plan von Politik und Verwaltung: Es wird eine neue Satzung für das entsprechende Gebiet (Bebauungsplan Nummer 7) beschlossen, in der unter anderem festgehalten ist, dass auf diesem Gebiet befindliche Wohnungen ausschließlich für den Fremdenverkehr genutzt werden sollen. Vermieden werden soll durch die neue Satzung, so wörtlich, „der Entzug von Wohnungen durch die Bildung von Wohnungseigentum und die (...) anschließende Nutzung als Zweitwohnsitz“. Darüber hinaus soll verhindert werden, dass „bestehende Häuser durch eine geänderte innere Raumaufteilung zu selbständigen Wohnungen mit anschließender Nutzung als Zweitwohnsitz umfunktioniert werden“.

Der auf der Tagesordnung stehende Dringlichkeitsantrag sorgte unter den Sprechern der Fraktionen für Einigkeit: Ausnahmslos wurden Gründe vorgebracht, der Initiative vorbehaltlos zuzustimmen. So argumentierte Dr. Roland Klockenhoff für die Grünen, dass der Bebauungsplan durch den Dringlichkeitsantrag „wasserdichter“ gemacht werden solle.

Einzig Mathias Lauritzen von der SPD gab zu bedenken, „dass eine Baugenehmigung für Ferienwohnungen wahrscheinlich nicht rückgängig gemacht werden kann“. Aus der vorliegenden Problematik könne man nur lernen, „in Zukunft sorgsamer mit solchen Dingen umzugehen“. Der Paragraf 22 Baugesetzbuch ändert aus Sicht von Lauritzen „nichts daran, dass die Ferienwohnungen einzeln verkauft werden“.

Für das Objekt liegt eine Baugenehmigung für 44 Ferienwohnungen und zwei Dauerwohnungen vor. Bürgermeister Häckel teilte dem Sylter Spiegel hingegen auf Anfrage mit, „dass der Gemeinde von einer solchen Baugenehmigung nichts bekannt“ sei. Und weiter: „Gemeinden sind bei Bauanträgen (zum Beispiel auf Nutzungsänderung) in ihrem Gebiet zu beteiligen. Auch liegt die Planungshoheit bei den Gemeinden, hierzu besteht ein Bebauungsplan und nun eine aktualisierte Satzung zum Schutz des Fremdenverkehrs.“