„Aus dem Hafen etwas machen“

150 Besucher bei Bürgerversammlung in Hörnum

Foto: © Heiko Wiegand / Sylter Spiegel GmbH

Gut 150 Menschen von der ganzen Insel waren am Montagabend bei der Bürgerversammlung in Hörnum zu Gast.

Mi, 26. Jul 2017
Hörnum

Bliebe im Inselsüden alles wie es ist, „dann wäre die touristische Grundlage irgendwann zerstört“. Ole von Beust, früherer Erster Bürgermeister von Hamburg und heute als Berater tätig, nahm am Montagabend bei der Bürgerversammlung kein Blatt vor den Mund, als es um die Zukunft des Hafens ging. „Wir alle müssen ein gemeinsames Interesse daran haben, aus diesem Hafen etwas zu machen.“ Sprach‘s und zeigte den gut 150 Versammelten einen Weg auf, wie es gehen könnte, aus dem rotten Hafen, dessen Nord- und Südmole seit geraumer Zeit wegen Baufälligkeit gesperrt sind, etwas Neues zu machen. Etwas Ansprechendes, das Touristen anzieht und dem Gewerbe vor Ort, vor allem der Adler-Reederei und den Muschelfischern, eine zukunftsfähige Arbeitsgrundlage bietet. Die Sanierung ist zuallererst eine finanzielle Frage. „Sollte die Gemeinde den Hafen vom Bund übernehmen, wäre dieser bereit, von den geschätzten Kosten in Höhe von rund acht Millionen Euro die Hälfte zu übernehmen“, referierte von Beust.

Und das auch nur, wenn die Gemeinde selbst Geld in die Hand nimmt – vereinfacht gesagt: Für jeden Euro aus Hörnum gibt‘s einen Euro aus Berlin dazu. Auch vier Millionen Euro sind für die Gemeinde kaum zu schultern, deshalb wiesen sowohl von Beust als auch der Inhaber der Reederei Adler-Schiffe, Sven Paulsen, auf Fördermöglichkeiten des Landes Schleswig-Holstein hin. „Das Land übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten für Hörnum, wenn das Projekt der Verbesserung der touristischen Infrastruktur dient und Arbeitsplätze sichert“, erläuterte von Beust. Beides wäre bei der Sanierung des Hörnumer Hafens der Fall. Man könne aber nicht mit leeren Händen auf das Land zugehen. Deshalb brauche es einen Plan, der von einem Mitarbeiter der renommierten Hamburger Architektursozietät Gerkan, Marg und Partner (gmp) am Montagabend vorgestellt wurde. Und auch hier stellt sich wieder die Kostenfrage, denn die Pläne gehen über eine Sanierung weit hinaus, der Hörnumer Hafen würde in weiten Teilen neu erfunden werden. Sven Paulsen schätzte die Baukosten vorsichtig auf rund 15 Millionen. Aber auch diese Kosten, so der Reeder, könnten aus diversen Fördertöpfen abgefangen werden – „in Höhe von vielleicht elf oder zwölf Millionen Euro“. Im Hafen müsste entsprechend Platz für Gewerbe geschaffen werden, „damit die Gemeinde in Zukunft auch Einnahmen hat“.

Die Ideen von gmp für den Hafen gehen also über eine schlichte Sanierung weit hinaus. Vorgestellt wurde am Montagabend eine vollständige Überplanung des gesamten Areals – wobei „hier nichts in Beton gegossen ist. Das sind lediglich Vorschläge“, sagte gmp-Architekt Kristian Spencker. Grundsätzlich teilt der Entwurf das deutlich erweiterte Hafenbecken in zwei Bereiche auf: in einen größeren gewerblichen und einen kleineren Bereich Richtung Budersand, wo eine neue Marina entstehen könnte. Beide Bereiche wären durch eine neue Mole voneinander abgegrenzt. Die neue Südmole ragt erheblich weiter ins Wattenmeer hinaus, dadurch wird für die Schiffe der Adler-Reederei mehr Platz geschaffen. Das Ende dieser Mole könnte von einem erhöhten Aussichtspunkt abgeschlossen werden, um für Hörnum-Besucher einen attraktiven Publikumsmagneten zu schaffen. Die Bebauung im Hafen könnte die für Hörnum typische Giebelarchitektur aufnehmen. Aber, wie gesagt, „alles nur Visionen“, betonte Kristian Spencker.

Das Publikum beteiligte sich rege, so wurden Fragen zur Grenze zum Nationalpark gestellt, zu Hochwasserschutz und zur Einbeziehung der Schule. Zuletzt stellte Sven Paulsen die Frage nach einem Stimmungsbild bei den Versammelten: „Wie hat es denn gefallen?“ Die überwältigende Mehrheit hob den Arm.