Jakobskreuzkraut auch am Bahndamm

Gelbes Gift am Wegesrand

Foto: © SC / Sylter Spiegel GmbH

Eine schöne gelbe Blüte, aber leider auch sehr giftig. Das Jakobskreuzkraut hat sich unter anderem am Tinnumer Bahndamm ausgebreitet.

Mi, 11. Jul 2018
Tinnum
,
Sylt

Wenn sich im Sommer die Wiesen in ein buntes Blumenmeer verwandeln, dann ist auch Blütezeit für das Jakobskreuzkraut. Die hohen Blumen mit ihren leuchtend gelben Blüten sehen aus wie harmlose Sommerblumen, die sich auch in der Vase zu Hause gut machen würden – davon ist aber dringend abzuraten! Jedes Jahr gehen mit der Blüte eindringliche Warnungen einher, denn alle Teile des Jakobskreuzkrautes sind giftig für Mensch und Tier. Besonders auf Heuwiesen führt ein starker Bewuchs zu Problemen. Manfred Ueckermann vom Landschaftszweckverband (LZV) erläutert: „Normalerweise halten die Bitterstoffe Tiere davon ab, das Jakobskreuzkraut zu fressen. Durch die Trocknung gehen die Bitterstoffe allerdings verloren, aber das Gift bleibt.“ Dann werden die im Jakobskreuzkraut enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PA) in giftige Stoffwechselprodukte umgewandelt, die sich in der Leber ansammeln und sie nachhaltig schädigen – im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang.

Auch Besitzer von Privatgrundstücken sollten sich dringend mit dem Thema auseinandersetzen, denn das robuste Kraut bildet nach der Blütezeit bis zu 150.000 Samen, die sich durch den Wind überall verbreiten. Schwierig wird es dort, wo die Grundstückseigentümer nichts unternehmen. Manfred Ueckermann kennt die Problematik gut: „Wir können die Eigentümer nur darauf hinweisen – es gibt keine Rechtsgrundlage, selbst einzugreifen.“ Beispielsweise am Tinnumer Bahndamm ist ein großer Bestand der Pflanze in unmittelbarer Nähe zu viele Heuwiesen: „Die Pflanze müsste dort durch die Deutsche Bahn entfernt und entsorgt werden – wir können nichts tun. Das Bahngelände entlang der Strecke hat Sonderstatus, das Betreten des Gleisbereiches ist verboten.“ Betroffene sollten sich direkt an die Deutschen Bahn wenden: „Wir ergreifen dann umgehend Maßnahmen, um das Kraut zu entfernen“, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber dem Sylter Spiegel, „dazu benötigen wir jedoch konkrete Angaben zum Ort der Ausbreitung.“

Die öffentliche Diskussion zum Jakobskreuzkraut werde intensiv verfolgt, und auch die möglichen Gefahren seien bekannt: „Bei der Bekämpfung des giftigen Krauts stellen trassennahe Vorkommen aber grundsätzlich ein geringeres Problem dar als Pflanzen, die sich auf gleisfernen Flächen befinden. Im sicherheitsrelevanten Bereich von Gleisanlagen werden von unseren Vertragspartnern einmal jährlich mechanische Vegetationskontrollen durchgeführt.“

Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt warnt jedoch vor einer rabiaten Ausrottung des Jakobskreuzkrautes: „Das wäre der Pflanze gegenüber nicht fair – es ist schließlich keine eingeschleppte Art, sondern war hier schon immer heimisch.“ Ob die Pflanze problematisch sei, liege in der Sicht des Betrachters: „Es gibt hochspezialisierte Schmetterlinge, die darauf angewiesen sind. Die Raupen des Blutbären leben nur auf Jakobskreuzkraut.“ Kritisch sei nicht die Existenz der Pflanze, sondern vielmehr ihre ungehinderte Ausbreitung: „Das ist auch ein hausgemachtes Problem. Viele heimische Pflanzen sind durch die moderne Landwirtschaft vertrieben worden. Anspruchslose Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut können so viel mehr Platz einnehmen.“ Als Beispiel nennt sie die Sylter Heideflächen: „Dort ist die Pflanze auch ohne menschliches Zutun weniger verbreitet.“ Die Naturschützerin plädiert daher für „mehr Vielfalt zu Ungunsten des Jakobskreuzkrautes. Wenn wir die Artenvielfalt wieder fördern, dann geht der Bestand von selbst zurück.“ 

Wo die Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, ruft sie zu gegenseitiger Solidarität auf: „Auf beweideten Koppeln werden die Pflanzen oft stehen gelassen, die Pferde fressen drumherum. So kommt es auf die benachbarten Heuwiesen. Da darf man nicht nur auf andere schimpfen, sondern muss auch selbst etwas tun.“ Manfred Ueckermann ist der gleichen Meinung: „Von Ausrotten ist nicht die Rede, aber in einigen Bereichen hat das Jakobskreuzkraut nichts verloren. Wir haben ein Problem, das wir angehen müssen – es funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Wenn einer nicht mitzieht, stehen wir auf verlorenem Posten.“